Europa sollte voran gehen

11.03.2011 | News

Porträt von Christian Rynning-Tonnesen

Ehrgeizige Klimaziele sind kosteneffizient und lassen sich auch verwirklichen, schreibt Statkrafts Vorstandsvorsitzender Christian Rynning-Tønnesen.

In dieser Woche stellte die EU-Kommission ihren Fahrplan für eine CO2-arme Wirtschaft bis zum Jahre 2050 vor (siehe Artikel von Kjetil Alstadheim in der norwegischen Wirtschaftszeitung DN). Dieser Fahrplan zeigt, dass es sich lohnt, das bisherige Ziel einer Verringerung der Emission von Treibhausgasen von 20 Prozent bis 2020 auf 25 Prozent zu erhöhen, um so das langfristige Ziel von mindestens 80 Prozent Reduktion der CO2-Emissionen bis 2050 zu erreichen. Deshalb ist dies ein willkommener Anlass, die EU aufzufordern, eine Vorreiterrolle einzunehmen und ehrgeizige Klimaziele zu definieren, die eine Reduktion der Ausstöße von mindestens 25 Prozent bis 2020 mit sich bringen. Dies würde zu einer Zunahme der Investitionen in erneuerbare Energien in Europa führen.

Energie und Klima hängen zusammen

In einem solchen Zusammenhang nimmt der Energiesektor eine zentrale Rolle ein. Zwei Drittel der gesamten Stromerzeugung stammt heute noch aus fossilen Quellen, was zu 40 Prozent der globalen Emissionen von Treibgasen beiträgt. Aus unserer Sicht ist daher der Übergang zu erneuerbaren Energiequellen der wichtigste Einzelschritt im Kampf gegen den Klimawandel.
Der Klimafahrplan der EU-Kommission zeigt, dass es möglich ist, bis 2050 einen annähernd CO2-freien Energiesektor zu erreichen. Die wichtigste Herausforderung besteht darin, herauszufinden, welche Anreize am ehesten dazu geeignet sind, die Entwicklung einer CO2-armen Stromerzeugung voranzutreiben und wie die Kosten am gerechtesten verteilt werden können.

Ein richtiger Preis für CO2 ist wichtig

Ein richtiger Preis für CO2 ist dabei das wichtigste Instrument, um die Emissionen zu reduzieren und Anreize für Investitionen in erneuerbare Energien zu schaffen. Wenn CO2 einen Preis hat und dem Verschmutzer dadurch zusätzliche Kosten entstehen, werden diese Kosten die Entscheidung für andere Energieträger stark zugunsten der erneuerbaren Alternativen beeinflussen. CO2-Märkte sind das effizienteste Instrument auf dem Weg zu einer CO2-armen Gesellschaft.

Das Emissionshandelssystem der EU (ETS) ist ein wichtiger Schritt in Richtung einer CO2-armen Wirtschaft in Europa. Dieses Quotensystem sollte im Sinne der ehrgeizigen Klimaziele weiterentwickelt werden, und andere wichtige Regionen in der Welt sollten dem Beispiel der EU folgen.

Wir brauchen gut funktionierende Märkte

Unsere Sichtweise ist, dass liberalisierte Märkte, die den Investoren, Erzeugern und Verbrauchern eindeutige Preissignale bieten, allen Seiten das beste Ergebnis sichern. Wenn man darüber hinaus eine Integration der Energiemärkte und eine Harmonisierung der Energiepolitik zwischen den Ländern erreicht, können die Energien dort genutzt werden, wo die Ressourcensituation am besten ist. Flexible Marktmechanismen wie Quotenhandel, CDM (Clean Development Mechanism) und Mechanismen der Zusammenarbeit zwischen den europäischen Ländern sind wichtig, um die Klimaziele zu möglichst niedrigen Kosten zu erreichen.

Wir brauchen eine sichere Energieversorgung

Die Stromerzeugung aus Wind- und Solarenergie schwankt im Laufe eines Tages und eines Jahres und kann nicht dem Verbrauch angepasst werden. Aus diesem Grund sind andere Energiequellen erforderlich, die die Stromversorgung gewährleisten können, wenn der Wind nicht weht oder die Sonne nicht scheint.
Norwegen verfügt gegenwärtig über etwa die Hälfte der gesamten Speicherkapazitäten in Europa. Diese Reserven können die zukünftige Versorgungssicherheit in Europa verbessern. Norwegische Wasserkraft kann jedoch weitaus effizienter als heute ausgenutzt werden. Statkraft ist zurzeit dabei, die Möglichkeiten und Herausforderungen einer verbesserten Nutzung der bestehenden Wasserkraftreserven und des Ausbaus der Pumpspeicherung zu analysieren. Um dieses Miteinander von variablen Energiequellen wie Sonne und Wind und regulierbaren Quellen wie Wasserkraft zu erreichen, brauchen wir ein gutes Netz und gute Übertragungsleitungen. Ein ausreichender Ausbau des Netzes und der Leitungen in Norwegen und Europa trägt zu einer sicheren Energieversorgung und stabileren Energiepreisen bei.

Statkraft möchte seinen Beitrag leisten

Der EU-Fahrplan enthält eine interessante Analyse und zeigt, dass es bis 2050 einen annähernd CO2-freien Energiesektor geben kann. Zusammen mit den Vorstandsvorsitzenden von fünf anderen europäischen Unternehmen habe ich daher einen Appell an die verantwortlichen europäischen Behörden unterzeichnet, sich ehrgeizigere Klimaziele zu setzen. Statkraft verfügt über die Fachkompetenz, das Kapital und den Willen, zu einer neuen und erneuerbaren Energieerzeugung in Norwegen, Europa und anderen Regionen in der Welt beizutragen.
Durch ehrgeizige Ziele lassen sich ein weiteres Wachstum und eine CO2-arme Wirtschaft vereinbaren. Dies trägt dazu bei, dass die Erderwärmung auf ein erträgliches Niveau begrenzt wird. Rechtzeitig zu handeln, ist weitaus günstiger, als es kosten würde, zu warten.

Dieser Beitrag wurde von Christian Rynning-Tønnesen verfasst und am 11. März 2011 in der norwegischen Tageszeitung Dagens Næringsliv veröffentlicht.