Wie funktioniert eigentlich der Emissionshandel?

21.05.2014 | News

Grafik über die Funktionsweise des Emissionshandels

Unternehmen A stößt weniger CO2 als das erlaubte Maximum aus und kann damit seine Emissionsrechte an das Unternehmen B verkaufen, das seinen Ausstoß nicht ausreichend verringern kann. Ziel des Emissionshandels ist, dass die Unternehmen sich im Durchschnitt unter der Höchstgrenze halten. Diese Grenze wurde definiert, um das Emissionssenkungsziel des Kyoto-Protokolls zu erreichen.

Emissionshandel ist genau das Gleiche wie der Kauf oder Verkauf normaler Aktien an der Börse“, sagt Stef Peters, Head of Global Environmental Markets. „Der Unterschied besteht darin, dass es sich nicht um Anteile an einem Unternehmen handelt. Gekauft und verkauft wird das Recht, Kohlendioxid  auszustoßen.“Peters zieht auch den Vergleich mit dem Handel mit physischen Produkten wie Kohle, Erdöl oder Strom heran: Man kauft oder verkauft ein physisches Erzeugnis oder das davon abgeleitete Finanzprodukt. Der Unterschied besteht darin, dass der Emissionshandel auf einer Ware basiert, die künstlich geschaffen wurde, um ein politisches Ziel zu erreichen – nämlich den Ausstoß von Treibhausgasen zu verringern.

Ziel des Emissionshandels ist es, industrielle und kommerzielle Prozesse so zu lenken, dass niedrigere Emissionen erreicht werden oder weniger CO2 -intensive Ansätze verfolgt werden, als zu der Zeit, als der Ausstoß von CO2  noch nichts kostete. Dies sollte dazu führen, dass der CO2 -Preis zu einem integralen Bestandteil für Investitions- und Betriebsentscheidungen  in den meisten Wirtschaftszweigen wird.

Steuern vs. Handel

Die CO2 -Emissionen können auf zweierlei Weise bepreist werden: Man kann eine CO2 -Steuer festlegen oder ein Emissionshandelssystem einrichten. Beide Alternativen haben ihre Vorteile. Auf den ersten Blick scheint eine Steuer auf CO2 -Emissionen die einfachste Methode zu sein. Politiker, Steuerbehörden und Finanz- ministerien müssen sich nur auf einen Preis  für den Ausstoß von CO2  einigen und dann festlegen, was sie mit den Steuereinnahmen machen wollen.

„Dies ist allerdings leichter gesagt als getan – insbesondere auf internationaler Ebene“, meint Stef. „Obwohl mit der Steuer ein Preis für CO2 festlegt wird, gibt es hierbei keine Grenze für die gesamte Emissionsmenge.“

In einem Emissionshandelssystem legen die Politiker die Gesamtmenge an Treibhausgasen fest, die jedes Jahr von Kraftwerken, Fabriken und anderen Unternehmen in die Atmosphäre ausgestoßen werden darf. Innerhalb dieser Höchstgrenze können die Unternehmen Emissionsquoten erwerben, die sie dann weiterverkaufen können. Im Gegensatz zu einer CO2 -Steuer ist der Preis nicht langfristig festgelegt, sondern wird durch die Mechanismen des Marktes, also durch Angebot und Nachfrage, gesteuert. In den meisten Teilen der Welt und insbesondere in Europa ist der Emissionshandel die bevorzugte Lösung.

EU als Motor des Prozesses

Immer mehr Länder und Regionen richten Emissionshandelssysteme ein, um den Ausstoß von Treibhausgasen zu verringern. Die EU gilt als der größte Markt für den Emissionshandel; ihr Emissionshandelssystem (Emission Trading System, ETS) besteht seit 2005. Jede Tonne CO2, die bei der Energieerzeugung oder von der Industrie ausgestoßen wird, muss durch eine Emissionsberechtigung ausgeglichen werden.

Bei der Einführung des Systems wurden den Unternehmen freie Allokationen zugeteilt, mit denen sie große Teile ihrer Emissionen decken konnten. Schafft man es, seinen Ausstoß um 1.000 Tonnen CO2  zu verringern, kann man 1.000 Emissionsquoten verkaufen. Wenn das Unternehmen A einen Überschuss an Emissi- onsquoten hat, kann es diese an das Unternehmen B verkaufen, das zu wenig hat.

So einfach ist es allerdings nur auf dem Papier. Zum EU-System gehören mehr als 6.000 Betriebe, in deren Besitz sich mehr als 16.000 CO2 -austoßende Anlagen befinden. Wie kann das Unternehmen A nun wissen, dass das Unternehmen B einen Bedarf an Emissionsquoten hat, die das Unternehmen A verkaufen will?

„Die Unternehmen brauchen Broker zum Koordinieren und andere Händler, mit denen sie handeln können“, erläutert Peter Sprengers, Senior Analyst im Global Environmental Markets-Team. „Das Unternehmen A kann beispielsweise ein Papierhersteller sein. Der Handel mit Emissionsrechten hat nichts mit seinem Kerngeschäft zu tun, und er will nicht mit 6.000 Unternehmen Kontakt aufnehmen müssen, um herauszufinden, wer Rechte kaufen oder verkaufen will.“

Preissturz

Im EU-System werden jedes Jahr 1,74 Prozent der Emissionsrechte von den Politikern gestrichen. Theoretisch sollte dies dazu führen, dass die CO2 -Preise jedes Jahr steigen. Dennoch ist der Preis für Emissionsquoten in der EU in den vergangenen Jahren dramatisch gefallen, was zum Teil auf die Wirtschafts- und Finanzkrise zurückzuführen ist. Vor der Finanzkrise wurde eine Tonne CO2  für etwa 20 bis 30 Euro gehandelt. Heute wird die gleiche Menge für rund 5 Euro angeboten.

„Dieser Preissturz hat den Anreiz für eine klimafreundliche Produktion geschwächt“, sagt Peters. „Europäische Politiker diskutieren jetzt, wie man diesen Markt wieder in die richtigen Bahnen lenken kann. Einige sagen, das Emissionshandelssystem funktioniere nicht  wie beabsichtigt und es sei an der Zeit, die gegenwärtigen Regelungen des ETS strukturell zu verändern. Andererseits kann ein niedrigerer Preis in Zeiten von geringerer Produktivität und verringerten Emissionen als eine natürliche Reaktion und als Beweis dafür gedeutet werden, dass der Markt funktioniert. Wir möchten in jedem Fall ehrgeizigere Ziele und hoffen, dass die Strukturanpassungen den erhofften Zweck erfüllen.“

Einige der größten Banken haben in den vergangenen Jahren ihren Handel mit Emis- sionsrechten eingestellt. Weniger Teilnehmer am Markt haben eine geringere Liquidität zur Folge. Das ist ein Nachteil.

„Andererseits wissen wir, dass der Bedarf an Emissionsrechten unvermindert hoch ist“, so Peters. „Die Zahl der Quoten, die gekauft und verkauft werden, ist immer noch hoch. Deshalb ist dies auch weiterhin ein wichtiges Tätigkeits- feld für uns. Natürlich wissen wir nicht, was die Zukunft bringt, aber ich bin Optimist. Es gibt immer viele Möglichkeiten und das gilt besonders für politisch gelenkte Märkte.