Forschen für die Zukunft

05.05.2014 | News

Bild von Uta Gjertsen

Uta Gjertsen, Leiterin des Forschungs- und Entwicklungsprogramms (F&E)

Wo in Norwegen wird es Überschwemmungen geben? Was passiert, wenn die Gletscher im Himalaya schmelzen? Lohnt es sich, in der Türkei ein Wasserkraftwerk zu bauen? Auf solche Fragen sucht Uta Gjertsen, die Leiterin des Forschungs- und Entwicklungsprogramms (F&E), eine Antwort.

„Der Klimawandel hat Folgen für alle Geschäftsbereiche von Statkraft – nicht nur für die Wasserkraft, sondern auch für die Windkraft und Biomasse“, sagt Uta Gjertsen, die Leiterin des F&E-Programms Folgen des Klimawandels, das am 27. September letzten Jahres vorgestellt wurde.
Sie verweist auf den Klimabericht der Internationalen Energieagentur, in dem festgestellt wurde, dass es im eigenen Interesse des Energiesektors ist, zu planen, wie man den Herausforderungen begegnen kann, die die Veränderungen des Klimas mit sich bringen. Es genügt nicht zu wissen, dass es „unruhiger und feuchter“ wird. Wir benötigen genaue Daten darüber, welche Veränderungen wir in den verschiedenen Regionen Norwegens erwarten können – genauso wie in anderen Ländern, in denen Statkraft aktiv ist oder investieren möchte.

„Mit diesem Programm soll die Klimaforschung im Konzern gebündelt und koordiniert werden“, sagt Uta. „Das erfolgt nicht nur durch das Einholen neuer Daten, sondern auch durch Erfassen und Koordinieren der bisherigen Forschungsergebnisse. Nicht zuletzt im Bereich der nordischen Wasserkraft ist bereits viel Forschung betrieben worden. Dieses Wissen und diese Kompetenz werden auch in Ländern gebraucht, in denen Statkraft in der Zukunft aktiv sein wird. Weil bisher noch unsicher ist, wie der Klimawandel die Erzeugung von erneuerbaren Energien beeinflussen wird, werden wir Projekte durchführen, um  die Kompetenz und die Anpassungsfähigkeit von Statkraft zu stärken“, sagt sie. „Die Ergebnisse des Programms sind eine wichtige Grundlage für Investitionsbe- schlüsse, das Energiemanagement sowie den Betrieb und die Wartung von Anlagen.“

Die Leiter verschiedener Abteilungen sitzen im Lenkungsausschuss des Projekts und wer- den die gemeinsamen Beschlüsse in ihrem Teil der Organisation verankern.

Es bestehen kaum Zweifel daran, dass die Wasserkraft in Skandinavien und den baltischen Staaten stark vom Klimawandel beeinflusst wird. Zu diesem Schluss kommt eine Untersuchung, an der Statkraft teilgenommen hat und die vom Nordischen Rat – dem Forum für parlamentarische Kooperation der nordischen Länder – finanziert wurde.

"Lange Zeit hatte Norwegen ein stabiles Klima, dass eine Planung mit Langzeit-Daten- reihen erlaubte“, so Uta. „Jetzt aber sehen wir, dass die Vergangenheit uns nicht länger ausrei- chend Hinweise dazu gibt, was in der Zukunft passieren wird.“

Analysen der Norwegischen Direktion für Wasserressourcen und Energie (NVE) zeigen, dass der Klimawandel in den einzelnen Regionen Norwegens unterschiedliche Folgen haben wird.

„In Westnorwegen werden Überschwemmungen durch Regen verursacht, während sie im Binnenland zumeist auf Schneeschmelze zurückzuführen sind“, sagt Uta. „Anzunehmen ist, dass wir in Zukunft größere Überschwem- mungen in Westnorwegen und weniger im Bin- nenland bekommen werden. Jetzt brauchen wir Untersuchungen, die zur Entwicklung geeigneter Strategien zur Anpassung unserer Infrastruktur, unserer Staudämme und so weiter beitragen.“

Ziel von Statkraft ist es, international zu wachsen. In Teilen der Welt, in denen es keine genauen Messungen und meteorologische und hydrologische Daten gibt, wie man sie in Norwe- gen hat, wird es umso schwieriger, Prognosen für die Zukunft abzugeben.

„Neue globale Klimamodelle zeigen, dass es in den Mittelmeerländern trockener wird“, erklärt Uta. „ Wir müssen in unseren Bewer- tungen berücksichtigen, wie rentabel es sein kann, Wasserkraft in Regionen auszubauen, in denen das Wasser vielleicht für andere Dinge gebraucht wird. Noch schwieriger ist es, die Folgen für die Windkraft vorherzusagen.“, meint Uta, die betont, dass dies jederzeit berücksich- tigt werden muss,  sogar in Ländern, in denen Statkraft bereits aktiv ist. „Es geht darum, kluge Entscheidungen zu treffen, weil wir mehr über die Rentabilität wissen“, sagt sie.

Auf Grund des Klimawandels kann es sich zum Beispiel lohnen, lieber auf Wasserspeicher als auf Laufwasserkraftwerke zu setzen. Der Klimawandel wird auch für die Wartung und Sanierung bestehender Anlagen von Bedeutung sein. Viele Kraftwerke wurden in einer Zeit gebaut, in der die globale Erwärmung keine Rolle spielte. Jetzt ist es notwendig herauszufinden, was erforderlich ist, um diese Anlagen zu sichern.

In Norwegen arbeitet Statkraft eng mit dem Meteorologischen Institut des Landes zusam- men. Ein gemeinsames Projekt, das kürzlich abgeschlossen wurde, führte beispielsweise zu einer besseren Methode bei der Messung von Schneemengen selbst bei starken Winden. „Es ist äußerst wichtig zu wissen, ob es mehr oder weniger Schnee gibt. Daten über die Schneetiefe in den norwegischen Bergen sind wichtig, um zu planen, wie wir das Schmelzwasser nutzen, das in die Speicherseen fließt.“

Auf internationaler Ebene nehmen Statkraft und SN Power an einem Forschungsprojekt in Indien unter der Leitung des in Bergen (Norwegen) beheimateten Bjerknes Zentrum teil. In dieser Region sind enorme Herausforderungen zu bewältigen – große Überschwemmungen, ein sich veränderndes Monsun-Muster, und nicht zuletzt die Gletscher im Himalaya, die vom Abschmelzen bedroht sind.

Dass Uta Gjertsen die Arbeit ausgehen könnte, braucht sie kaum zu befürchten. Zusammen mit dem Lenkungsausschuss plant sie neue Projekte, um den Bedarf von Statkraft an aktualisierten Daten zu decken. Unter den neuen Projekte ist auch die Zusammenarbeit mit dem Forschungszentrum CICERO (Center for International Climate and Environmental Research) zur maßgeschneiderten Anpassung von neuen Klimadaten. Mit Hilfe solcher Daten wird Statkraft noch besser gerüstet sein für die spannende, erneuerbare Zukunft, die vor uns liegt.