Lebenswichtige Stromversorgung

19.11.2015 | News

Nach den schweren Erdbeben in Nepal im April und Mai war der Strom aus dem Statkraft-Kraftwerk Khimti von entscheidender Bedeutung. Insgesamt 18 der Kraftwerke des Landes waren von den Erschütterungen betroffen, mehrere Anlagen stehen bis heute still.

Kein Mitarbeiter des Statkraft-Kraftwerks Khimti im Dolakha-Bezirk kam beim Erdbeben ums Leben oder wurde verletzt, doch auch in dieser Region waren die Zerstörungen enorm. Obwohl sich die Situation langsam wieder normalisiert, sind die Angst vor neuen Beben und die psychologische Belastung groß.

„Immer noch erleben wir Nachbeben mit einer Stärke von mehr als 4,0 auf der Richterskala“, sagte Sandip Shah, der Landeschef von Statkraft in Nepal und Leiter von Himal Power Ltd. (HPL), Anfang dieses Herbstes. „Das erinnert uns daran, welche Kraft in der Erde schlummert.“

Wichtige Energie

Das eigentliche Kraftwerk überstand das Erdbeben ohne größere Schäden, und die Abschaltzeit wurde auf ein Minimum begrenzt. Es scheint aber, als ob das Erdbeben die Wassermenge im Fluss erhöht hätte. Khimti hat im Mai und Juni neue Rekordstrommengen für diesen Zeitraum erzeugt – immerhin durchschnittlich 40 Prozent mehr Strom als in den Vorjahreszeiträumen. Die Stromversorgung aus Khimti war und ist sehr wichtig für Nepal.

Insgesamt 18 Kraftwerke sind vom Erdbeben lahmgelegt worden. Von einer Gesamtleistung von ungefähr 700 MW sind 150 MW durch die Beben betroffen. So gibt es im einzigen regulierbaren Speicherkraftwerk des Landes wegen Rissen im Staudamm Einschränkungen bei der Wasserhöhe.

Viele laufende Wasserkraftprojekte, unter anderem das große und wichtige Kraftwerk Upper Tamakoshi mit einer Leistung von 456 MW, das oberhalb von Khimti liegt, waren vom Erdbeben betroffen.

„Eine der Herausforderungen in der nächsten Zukunft wird sein, die zerstörten Kraftwerke zu reparieren und die angefangenen Projekte zu Ende zu führen“, sagt Shah. „An vielen Orten sind die Zufahrtsstraßen immer noch zerstört. Die eingeschränkte Verfügbarkeit elektrischer Energie macht auch den Wiederaufbau schwieriger.“

Neue Herausforderungen

Eine Gefahr nach größeren Erdbeben in Nepal sind die vielen durch Gletscher aufgedämmten Seen im Himalaya. Große Wassermengen werden durch Eis oder Moränen zurückgehalten, die bei größeren Erschütterungen aufreißen können.

Einer der größten dieser Seen, Tsho Rolpa, liegt oberhalb von Khimti und enthält 85 Millionen Kubikmeter Wasser. Das erste Erdbeben im April zerstörte die Messstation, die steigende Wasserstände melden soll. Gleich nach dem Erdbeben war es daher wichtig für HPL, die zerstörte Messstation zu ersetzen. Diese Reparaturen sind abgeschlossen, und weitere Stationen wurden in Zusammenarbeit mit nationalen und internationalen Überwachungsbehörden errichtet.

Das Ziel ist, die Gebiete flussabwärts bei einer Überschwemmung oder gar Flutwelle so schnell wie möglich warnen zu können, so dass ausreichend Zeit bleibt, das Tal zu evakuieren. Übungen wurden durchgeführt, um die Warnsysteme und Evakuierungsabläufe zu testen.

Licht am Ende des Tunnels

Trotz der vielen Erdbebenopfer, Verletzten und materiellen Zerstörungen, die das Erdbeben verursachte, sieht Sandip Shah viel Gutes in der Art und Weise, wie das Land mit der Krise umgegangen ist. „Als wir von der Katastrophe getroffen wurden“, so Shah, „waren wir in der Lage, einander zu helfen, ein Dach über dem Kopf anzubieten und Essen zu teilen. Gleichzeitig waren die Plünderungen und Ausbrüche von Krankheiten weniger umfangreich, als es von vielen erwartet wurde.“

Er lobt seine Mitarbeiter für die Art und Weise, wie sie die Situation bewältigten. „Der Stab von Statkraft und HPL hat sich wirklich reingekniet und in einer schwierigen Phase weit mehr geleistet, als man erwarten konnte.“

Unmittelbar nach dem Erdbeben war die wichtigste Aufgabe, zu prüfen, ob eigene Mitarbeiter und ihre Angehörigen in Sicherheit sind
und den Einwohnern in den elf am härtesten betroffenen Dörfern in den Bezirken Dolakha und Ramechhap nahe des Khimti-Kraftwerks zu helfen.

Kurze Zeit nach dem Erdbeben wurden in der unmittelbaren Umgebung für 50.000 Menschen Nothilfepakete in Form von Planen, Teppichen, Medizin, Essen und anderen notwendigen Dingen ausgegeben. Diese Sachen wurden in einer engen Zusammenarbeit mit dem Statkraft-Büro in Neu-Delhi aus Indien herübertransportiert.