Statkraft ABC – Erneuerbare Energien

26.10.2015 | News

Infografik Kohlenstoffkreislauf

Die Energie- und Klimadebatte kann verwirrend sein. Was sind eigentlich erneuerbare Energien? Sind Solar- und Windenergie klimafreundlicher als Wasserkraft? Und sind erneuerbare Energieträger eigentlich umweltfreundlich?

Die Welt braucht Energie, um mehr Menschen eine bessere Zukunft zu sichern. Strom ist eine Voraussetzung für die Entwicklung moderner Gesellschaften, für Industrie und Wertschöpfung, für Bildungs- und Gesundheitssysteme. Der Zugang zu elektrischer Energie trägt dazu bei, Menschen aus der Armut zu befreien. Es ist jedoch wichtig, Energieformen zu nutzen, die das Klima so wenig wie möglich belasten. Bei einer nachhaltigen Entwicklung geht es darum, die Bedürfnisse der heute lebenden Menschen zu befriedigen, ohne die Lebensbedingungen für die nachfolgenden Generationen zu gefährden.

Unerschöflich

„Erneuerbare Energie bedeutet, dass sich die Energiequelle immer wieder selbst erneuert, so dass sie im Prinzip unerschöpflich ist. Wenn man jedoch ganz konsequent denkt, sind einige dieser Quellen dennoch begrenzt“, erläutert Tormod Schei, Head Advisor Social & Environmental Sustainability bei Statkraft. „So gibt es beispielsweise eine gewisse Menge Wasser auf der Erde. Dieses Wasser zirkuliert in einem Kreislauf, in dem es verdampft, in die Atmosphäre aufsteigt und als Niederschlag zurückkommt. Ein Teil des Niederschlags gelangt in Fließgewässer, die wir nutzen, um Energie zu gewinnen. Die Quelle ist unerschöpflich in dem Sinne, dass sich die Flussläufe die ganze Zeit durch neue Niederschläge wieder auffüllen. Nach Einschätzung des UN-Klimarates sind die erneuerbaren Quellen so groß, dass sie die ganze Welt mit mehr als genug Energie versorgen können und dass die Technologien so ausgereift sind, dass sie diese Energie auch liefern können.“

Freisetzung von Kohlenstoff

„Erneuerbare Energien sind klimafreundlich vor allem, weil sie keine neuen CO2-Moleküle oder Kohlenstoffatome in die Atmosphäre frei setzen“, so Schei. „Ein Beispiel dafür ist die Nutzung von Wald als Biomasserohstoff für die Biodieselgewinnung. Wald bindet CO2, während Biodiesel CO2 freisetzt, wenn er in einem Automotor verbrannt wird. Der Kohlenstoff wird erst über die Pflanzenwelt (den Wald) aus der Atmosphäre geholt, bevor er wieder zurückgelangt.“

„Erneuerbare Energiequellen, die CO2 ausstoßen, zirkulieren also Kohlenstoff, der
sich bereits in der Atmosphäre befindet. Die grundlegende Ursache für die Klimaprobleme ist, dass fossile Quellen wie Kohle, Erdgas oder Erdöl Kohlenstoff freisetzen, der tief unter der Erde gebunden ist, so dass die Menge an Kohlenstoff in der Atmosphäre ansteigt. Auch die erneuerbaren Energieträger erzeugen einen gewissen Ausstoß, zum Beispiel wenn wir Stahl schmelzen, um Windkraftturbinen zu bauen oder Silizium für die Nutzung von Solarenergie schmelzen. Der große Unterschied besteht darin, dass die Emissionen beendet sind, sobald das Kraftwerk fertig ist und in Betrieb genommen wird.“

Ausstoß von Methan

Bei Wasserkraftwerken ist das Bild etwas komplizierter. Wenn man ein Gebiet flutet, um Wasserspeicher zu bauen, werden beim Verfaulen toter Pflanzen und Tiere Gase freigesetzt. Wenn der Sauerstoff aus dem gestauten Wasser verschwindet, kann sich Methan (CH4) bilden, das aus Kohlen- und Wasserstoff statt aus Kohlen- und Sauerstoff besteht. Methan trägt stärker zur Erderwärmung bei als CO2

Die Bildung von Methan aus den Stauseen nimmt allerdings nach drei bis fünf Jahren
ab, und dieses Treibhausgas verschwindet viel schneller aus der Atmosphäre als CO2. Der Abbau von CO2 nimmt mehrere hundert Jahre in Anspruch.

„Neuere Forschungen weisen darauf hin, dass die mit dem Ausstoß von Methangas
durch Aufdämmungen verbundenen Probleme geringer sind als bisher angenommen“,
sagt Schei. „Wenn das Gebiet auch schon vor der Aufdämmung Treibhausgase abgab, ist der Nettoausstoß geringer als der Gesamtausstoß, den man eventuell messen kann. In warmen Ländern entsteht Methan leichter, aber dort waren die Emissionen vorher auch entsprechend höher.“

Nicht unbedingt umweltfreundlich

„Weil erneuerbare Energieträger keinen neuen Kohlenstoff in die Atmosphäre entlassen, kann man sagen, dass erneuerbare Energien immer klimafreundlich sind“, erklärt Schei. „Ob sie auch umweltfreundlich sind, hängt davon ab, wie die Umgebung beeinflusst wird. Züchtet man Pflanzen, um Biomasse zur Energieerzeugung zu nutzen, kann dies die Lebensmittelherstellung beeinflussen und vielleicht sogar Hungersnöte auslösen. Solarparks erfordern große Landflächen, die anders genutzt werden könnten. Wenn wir ein Tal aufdämmen, um Wasserkraft zu nutzten, kann es den betroffenen Menschen schlechter gehen, weil sie umziehen müssen.“

Es gibt praktisch keine Energietechnologien oder Energiequellen, deren Nutzung frei von negativen Auswirkungen ist. Es ist jedoch möglich, diese auf ein Minimum zu
reduzieren.

„Oftmals muss gar nicht so viel gemacht werden, manchmal genügt schon ein etwas verlagerter Standort des Kraftwerks“, meint Schei. „Vieles kann durch richtige Planung erreicht werden. Leider ist man an vielen Orten so darauf konzentriert, Strom
zu erzeugen, dass man sich kaum um die Folgen kümmert. Deshalb ist es wichtig, dass die Energieunternehmen Verantwortung übernehmen und dies natürlich in Zusammenarbeit mit Behörden und Betroffenen vor Ort tun.“