Aalglatte Turbinentechnologie

30.01.2012 08:00 | Pressemitteilung

Aal

Dörverden, Januar 2012 – Überall in Europa gehen die Aalbestände dramatisch zurück. Umweltgifte, Klimaveränderungen, Überfischung, Krankheiten sowie die Sperrung von Flusswanderwegen durch Stauanlagen und Kraftwerke gehören zu den täglichen Bedrohungen auf der langen Reise der europäischen Flussaale. Jetzt hat Deutschlands sechstgrößter Energieerzeuger, Statkraft, ein zielgerichtetes Turbinenmanagement entwickelt und eingeführt, damit die Fische zum Laichen die Sargassosee erreichen. Es ist die erste technische Lösung zum Schutz der Aale dieser Art in Deutschland.

„Um den Aalbestand in der Weser zu stärken, haben wir vor eineinhalb Jahren an unseren Laufwasserkraftwerken das Projekt‚ aalfreundliches Turbinenmanagement entwickelt“, erklärt Maik Thalmann, Leiter der Wasserkraft in Deutschland. Das Ziel ist die Optimierung und der Ausgleich von ökologischen und ökonomischen Interessen, indem Aalwanderungen und klimafreundliche Stromerzeugung durch Wasserkraft sichergestellt werden.

Das Geheimnis der Aalabwanderung
Noch ist das Geheimnis nicht gelüftet, warum Aale im Laufe ihres Lebens eine lange Wanderung von mehreren tausend Kilometern zurücklegen. Aallarven schlüpfen in der Sargassosee und treiben innerhalb mehrerer Jahre mit dem Meeresstrom in die Wachstumsgebiete an den europäischen Küsten. Dort wandern sie über die Flussmündungen in die Binnengewässer. Die ausgewachsenen Tiere schwimmen dann zum Ablaichen aus den Gewässern im Landesinneren über die Flüsse zurück zum Ort des Schlüpfens, in die Sargassosee, und sterben. Auf dieser Reise sind die Fische vielen Gefahren und Verletzungsrisiken durch Fischfangnetze, Schleusen, Wasserkraftwerke und Wehre ausgesetzt.

Frühwarnsystem zum Aalschutz
„In Zeiten der Abwanderung kann ein aalschonender Turbinenbetrieb signifikant zum Schutz der Tiere beitragen“, erklärt Maik Thalmann. Die Voraussetzung dafür ist ein präzises Wissen über den genauen Zeitpunkt der Abwanderwellen. Aalwanderungen sind ein biologisches Massenphänomen, die in zeitlich komprimierten Schüben zwischen August und Februar erfolgen. Mit Hilfe des vom Institut für angewandte Ökologie entwickelten Frühwarnsystems, dem so genannten Migromat®, wird das Verhalten der Aale in flusswasserdurchströmten Becken überwacht. Wenn die gehälterten Aale messbar aktiver werden, wird an den Laufwasserkraftwerken von Statkraft ein Alarm ausgelöst, der das zielgerichtete und vollautomatische Turbinenmanagement in Gang setzt. „Hierbei wird die landseitige Turbine jeder Anlage gedrosselt, während die Laufschaufeln der anderen Turbinen soweit wie möglich geöffnet werden. So können sich die Aale mit der Hauptströmung treiben lassen und die Hindernisse unverletzt passieren“, so Thalmann.

Erste erfolgreiche Tests
Seit dem Start des vollautomatischen Turbinenmanagements testet Statkraft das selbst-entwickelte System kontinuierlich auf Verlässlichkeit. Um die Daten aus dem internen Monitoring zu überprüfen, werden die Fänge parallel von einem Berufsfischer entsprechend nach Tagen, Uhrzeit und Mortalität gelistet. „Die vorliegenden Ergebnisse aus den Monaten Oktober bis Dezember 2011 zeigen deutlich, dass die ausgelösten Alarme an Weser, Werra und Fulda über 95 Prozent mit den Fangdaten übereinstimmen“, sagt Thalmann und betont weiter: „Gleichzeitig zeigen die Ergebnisse auch, dass die Überlebensrate der Aale durch das neue Betriebsmanagement auf 99 Prozent gesteigert werden konnte.“

Unterstützung und Information
Neben der Entwicklung und technischen Umsetzung des Projekts sind auch Information und Aufklärung rund um den Aalschutz wichtige Faktoren für Statkraft, unterstreicht Thalmann: „Wir arbeiten eng mit Behörden und Fischereiverbänden zusammen und führen regelmäßig Informationsveranstaltungen über verbesserte Abstiegsmöglichkeiten der Aale in der Weser durch.“ Der Fischereiverband der Weser Pachtgemeinschaft IV (Dörverden bis Bremen sowie Aller bis Hülsen) unterstützt das Projekt ebenfalls. „Auf Basis der Statkraft Initiative haben wir den Beschluss gefasst, dass Angler und Berufsfischer von Oktober bis März in der Mittelweser keine Aale fischen dürfen“, so Uwe Roll, Sprecher der Fischerei-Pachtgemeinschaft Weser IV und Vorsitzender des Angelvereins Achim/Weser. „So wollen auch wir einen nachhaltigen Beitrag leisten, die Aalbestände und deren Populationserhalt in der Weser zu stärken.“

Offiziell zertifizierte Technologie
Statkraft betreibt in Deutschland neun Laufwasserkraftwerke – sechs an der Weser und drei an den Flüssen Werra, Fulda und Eder sowie ein Pumpspeicherkraftwerk in Erzhausen. Acht dieser Kraftwerkesind mittlerweile Teil des vollautomatischen Systems für einen aalschonenden Turbinenbetrieb*. Die Grundlage für den zielgerichteten Fischschutz in wirtschaftlich genutzten Flüssen bilden die Wasserrahmenrichtlinie, die EU-Aalverordnung und das Wasserhaushaltsgesetz. Vor diesem Hintergrund wurden die Laufwasserkraftwerke von Statkraft von einem Gutachter zertifiziert.

Über Statkraft:
Statkraft ist der europaweit größte Erzeuger erneuerbarer Energie. Der Konzern baut und betreibt Wasser-, Wind-, Gas- und Fernwärmekraftwerke und ist zudem ein bedeutender Akteur an den europäischen Energiehandelsbörsen. Der Konzern beschäftigt etwa 3.300 Mitarbeiter in über 20 Ländern.

*Die acht Laufwasserkraftwerke Wahnhausen, Werrawerk, Petershagen, Schlüsselburg, Landesbergen, Drakenburg, Dörverden und Langwedel sind Teil des Turbinenmanagements.