Energiewende rückwärts: Vermarktung von Ökostrom vor dem Aus

13.08.2012 08:00 | Pressemitteilung

Bild der Hitra Windfarm

Bundesregierung plant überstürzte Kürzung ohne sachliche Grundlage / Entmonopolisierung bei der Ökostrom-Vermarktung gefährdet / Nüchterne Kosten-Nutzen-Analyse gefordert

Düsseldorf, 13. August 2012 – Obwohl die Direktvermarktung erfolgreich angelaufen ist und die Erwartungen deutlich übertroffen hat, plant die Bundesregierung nach nur wenigen Monaten Laufzeit unerwartet starke Kürzungen bei der Managementprämie. „Mit der überstürzten Festlegung auf 0,3 Cent pro Kilowattstunde im Jahre 2015 würde die Bundesregierung die Marktintegration der Erneuerbaren Energien stoppen bevor sie angefangen hat“, sagt Georg Wilger, Head of Energy Management bei Nexus Energie GmbH. Das Marktprämienmodell trägt aktuell mit gerade einmal 2-3 % nur zu einem sehr kleinen Teil zu den Kosten der EEG-Umlage bei. Mittelfristig wird jedoch von einer Absenkung der EEG-Umlage ausgegangen. Mit der nun vorgeschlagenen Reduzierung wird eine Entlastung der gesamten EEG-Umlage von ca. 0,04 Cent pro Kilowattstunde erwartet. Das sind umgerechnet auf einen vier Personen Haushalt gerade einmal 1,20 Euro pro Jahr.

„Allein dadurch, dass der Strom dann produziert wird, wenn er gebraucht wird, wird nach unseren Berechnungen bereits im Jahre 2016 eine Entlastung der EEG-Umlage von 500 Millionen Euro erreicht“, erklärt Stefan-Jörg Göbel, Geschäftsführer der Statkraft Markets GmbH. „Derzeit wird noch sehr viel Ökostrom verschenkt, weil er in Zeiten erzeugt wird, in der es keine Stromnachfrage gibt, zum Beispiel am Wochenende oder nachts. Die Kosten dafür trägt der Verbraucher.“

Durch die Einführung des Marktprämienmodells ist seit Anfang des Jahres erstmals Wettbewerb außerhalb des Monopols der großen Netzbetreiber möglich. Seit Jahresbeginn betätigen sich mehr als 30 mittelständische, innovative Unternehmen aus dem Bereich der Erneuerbaren Energien in der Direktvermarktung von Ökostrom. Erhebliche Investitionen in den Abruf der Ist-Einspeisung sowie die Fernsteuerung von Erzeugungsanlangen und in Prognosesysteme wurden bereits getätigt. 

Auch der Bundesverband der Verbraucherzentralen und Verbraucherverbände fordert das EEG grundsätzlich zu reformieren, um den Ausbau kosteneffizient weiterzuführen und einen einheitlichen Energiemarkt zu schaffen sowie die Anlagenbetreiber künftig stärker an den Risiken zu beteiligen und sich am Markt zu orientieren.  Im Ausland (Großbritannien, Spanien, USA, Skandinavien) wurden bereits funktionierende Modelle entwickelt, die dem Marktprämienmodell sehr ähneln: der Erzeuger ist verpflichtet, seinen Strom selbst zu vermarkten.

Viele Erzeuger übernehmen im deutschen Marktprämienmodell seit Anfang des Jahres Verantwortung, indem sie die Energievermarktung selbst in die Hand nehmen. Dieses Instrument hat eine wichtige Brückenfunktion hin zu einem wettbewerbsfähigen Markt für Erneuerbare Energien. „Die Direktvermarktung hat bereits zu einer Optimierung von Systemen, die eine Regelbarkeit volatiler Energien ermöglichen, und somit zu einer Marktfähigkeit der Anlagen sowie zu einer besseren Kommunikation zwischen Händlern, Dienstleistern, Netzbetreibern und Anlagenbetreibern geführt. Mit Hilfe dieser Infrastruktur konnten die Prognosen für die schwankende Erzeugung aus Wind- und Solaranlagen verbessert werden, wodurch die damit verbundenen Kosten gesenkt werden“, sagt Andreas Keil, Geschäftsführer von Energy2market GmbH.

Mit der starken Kürzung würde der erste Schritt in Richtung einer großflächigen Marktintegration der Erneuerbaren Energien auf Basis von lediglich sechs Monaten Erfahrungen, die keine umfassende Beurteilung ermöglichen, aufs Spiel gesetzt.

Nach Berechnungen der Direktvermarkter wird das von der Bundesregierung angestrebte Einsparpotential von 200 Millionen EUR bereits durch eine Kürzung der Managementprämie für das Jahr 2013 von 1,0 Cent pro Kilowattstunde auf 0,77 Cent pro Kilowattstunde erfüllt. Alle nachfolgenden Anpassungen für die Jahre 2014 und 2015 sollten, wie ursprünglich geplant, auf der Basis von jährlichen Kosten-Nutzen-Analysen erfolgen.

Absender:
Danske Commodities A/S
Energy2market GmbH
GESY Green Systems GmbH
GEWI AG
Grundgrün Energie GmbH
Nexus Energie GmbH
Nordjysk Elhandel A/S
Statkraft Markets GmbH

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