Interdisziplinäre Zusammenarbeit ermöglicht Meilenstein in der Energiewende

17.12.2015 11:20 | Pressemitteilung

Windräder in verschneitem Wald

Das heute vorgestellte Präqualifizierungsverfahren zur Minutenreserve aus Windkraft basiert auf der Zusammenarbeit von Anlagenhersteller, Vermarkter, Betreiber, IT-Entwickler und Übertragungsnetzbetreiber. In einem gemeinsamen Projekt in der 50Hertz Regelzone übersetzten Mitarbeiter von energy & meteo systems, ENERCON, WIND-projekt und Statkraft die technischen Anforderungen in ein wirtschaftliches Verfahren.

Das Projektteam arbeitete über zwei Jahre lang daran, die theoretischen Annahmen in die Praxis umzusetzen. Unzählige Feldtests, Nachweisführungen und Erbringungskonzepte wurden auf Basis eines Windparkpools, bestehend aus fünf Einzelparks, durchgeführt und erbracht. Der Windparkpool ist regional über die 50Hertz-Regelzone verteilt und verfügt insgesamt über eine installierte Leistung von zirka 170 MW. Am Ende hat sich das Verfahren der “möglichen Einspeisung“ durchgesetzt. Die mögliche Einspeisung gibt für einen gedrosselten Park die nach den aktuellen Windverhältnissen erzielbare Leistung an. Dies gewährleistet die Steuerung der Windanlagen gegen einen sinnvollen Referenzwert.

„Wenn der Nachweis für die Erbringung von Minutenreserve nach dem klassischen Fahrplanverfahren eine Revolution war, dann ist dies nun die endgültige Transformation. Mit der möglichen Einspeisung ist nun ein Nachweisverfahren verabredet, das Windkraft nicht benachteiligt“, sagt Stefan-Jörg Göbel Geschäftsführer der Statkraft Markets GmbH. „Dieses Verfahren ermöglicht die Sicherstellung von Systemstabilität in einem von fluktuierender Erzeugung dominierten Markt.“ Statkraft hatte bereits Anfang 2015 mehrfach mit einem Windpark Regelleistung nach einem Verfahren für konventionelle Kraftwerke erbracht und damit die technische Eignung der Windkraft für den Regelenergiemarkt belegt.

„Wir mussten in den letzten Jahren einige dicke Bretter bohren, aber jetzt ist ein technisch gut umsetzbares Verfahren herausgekommen“, sagt Dr. Ulrich Focken, Geschäftsführer von energy & meteo systems. Durch eine frühzeitige Implementation ins Virtuelle Kraftwerk konnte das entwickelte Verfahren bereits im praktischen Einsatz unter verschiedenen Wetterbedingungen auf Herz und Nieren getestet werden. „Endlich kann es jetzt praktisch losgehen“, so Focken.

„Regelleistung aus Windenergieanlagen ist ein entscheidender Schritt zu mehr Verantwortung für die Erneuerbaren Energien insgesamt“, betont Carlo Schmidt, der Geschäftsführer von WIND-projekt. „Wir betreiben seit mehr als drei Jahren bereits eine Energiespeicheranlage auf Basis von Wasserstoff und sehen die Zusammenarbeit mit Statkraft als wichtigen Baustein als Ergänzung zu unseren Aktivitäten im Bereich Power-to-Gas“.

„Die grundsätzliche Möglichkeit mit Windenergie Systemverantwortung in Form der Regelleistung zu übernehmen, konnte unter anderem schon in einem Pilotprojekt in Belgien gezeigt werden“, so Jens Winkler, ENERCON GmbH. Trotz der technischen Machbarkeit haben in Deutschland jedoch die geltenden Marktregeln die Teilnahme der Windenergie verhindert. „Daher begrüßen wir den Willen der deutschen Übertragungsnetzbetreiber den Regelleistungsmarkt gegenüber neuen Erzeugern zu öffnen und die Teilnahmebedingungen entsprechend anzupassen“, ergänzt Winkler.

Der nächste Schritt ist nun die Präqualifikation des Windparkpools durch die Übertragungsnetzbetreiber nach den entwickelten Kriterien für Wind. Der Start in der Vermarktung ist für Anfang 2016 geplant.