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Rauch eines Kohlekraftwerks
Location: Unknown
Photo: Shutterstock

Emission allowances limit the greenhouse gas emissions permitted from power plants and industrial companies in Europe. The emissions trading scheme (ETS) will help the EU reach its emissions targets by 2030.

Analyse: Weniger Treibhausgasemissionen durch Zertifikate

Das EU-Emissionshandelssystem wird Europa dabei unterstützen, das gesetzte Klimaziel bis 2030 zu erreichen. Wie funktioniert das Emissionshandelssystem in der Praxis, und warum haben sich die Preise verdoppelt?

Mari Grooss Viddal
Mari Grooss Viddal
Senior Advisor

Mari Grooss Viddal ist bei Statkraft in dem Geschäftsbereich "Global Drivers" für die strategische Marktanalyse zuständig.

Der Kampf gegen den Klimawandel ist eine der größten Herausforderungen der Welt. Sie erfordert eine schnelle und erhebliche Reduzierung der Emissionen in allen Sektoren weltweit. Die EU hat beschlossen, die Treibhausgasemissionen bis 2030 um mindestens 40 Prozent gegenüber 1990 zu reduzieren und dazu ein Emissionshandelssystem für CO2-Emissionen eingeführt. Die vom Emissionshandelssystem einbezogenen Unternehmen müssen CO2-Zertifikate erwerben, die dem Umfang ihrer eigenen Treibhausgasemissionen entsprechen.

Das EU-Emissionshandelssystem deckt etwa 40 Prozent der europäischen Treibhausgasemissionen ab – das sind fast zwei Milliarden Tonnen CO2 pro Jahr. 40 Mal mehr als die gesamten Emissionen Norwegens.

European greenhouse gas emissions

Der Verursacher zahlt

Der Zweck eines CO2-Preises besteht darin, dass der Verursacher die Kosten der Treibhausgasemissionen übernimmt. Dadurch erhalten Unternehmen einen finanziellen Anreiz, neue und sauberere Technologien einzuführen, auf erneuerbare Energien umzusteigen, von Kohle auf Gas umzurüsten oder ihre Emissionen auf andere Weise zu reduzieren.

„Wenn der Emissionshandelsmarkt im Gleichgewicht ist, sollte der CO2-Preis gleich den Kosten für die Reduzierung der Emissionen sein, aber aufgrund eines großen Überschusses auf dem Markt war das in den letzten Jahren praktisch nicht der Fall“, so Mari Grooss Viddal, Senior Advisor für die strategische Marktanalyse bei Statkraft.

„Die Anzahl der verfügbaren Zertifikate wird zu Beginn einer Phase bestimmt und legt eine Emissionsobergrenze fest. Damit wir das Klimaziel erreichen, wird die ausgegebene Anzahl von Zertifikaten jedes Jahr verringert“, erklärt Viddal.

CO2 allowance market
Unternehmen, die Treibhausgase freisetzen, müssen CO2-Zertifikate erwerben. Ein CO2-Zertifikat steht für eine Tonne CO2. Unternehmen, die weniger freisetzen als erwartet, dürfen ihre Zertifikate an andere Firmen verkaufen. 

Sowohl der aktuelle CO2-Preis als auch die Erwartungen hinsichtlich zukünftiger CO2-Preise beeinflussen die Entscheidungen von Unternehmen. Für Unternehmen, die in sauberere Technologien oder neue Formen der Energieerzeugung investieren, ist der erwartete zukünftige CO2-Preis ein wichtiger Faktor für ihre Entscheidungsfindung. Angemessene Preise sind deshalb eine Motivation für alle Beteiligten, klimafreundliche Investitionsentscheidungen zu treffen.
Die Finanzkrise in den Jahren 2008 und 2009 zog einen Einbruch der Industrietätigkeit und damit einen Rückgang der Treibhausgasemissionen nach sich. Zusammen mit Subventionen für erneuerbare Energien und anderen Faktoren führte dies zu einer geringeren Nachfrage nach Zertifikaten. Da das Angebot an Zertifikaten im Vorfeld festgelegt wird, während die Nachfrage (Emissionen) tagesaktuell schwankt, hat sich auf dem Markt ein großer Überschuss an Zertifikaten angesammelt. Infolgedessen sanken die CO2-Preise.In den letzten Jahren sind sie auf einem niedrigen Stand geblieben.
Countries in EU emission trading scheme

Reformiertes Emissionshandelssystem

Um einige der konzeptionellen Schwächen des Systems zu beseitigen, haben EU-Politiker in den letzten Jahren verschiedene Reformen durchgeführt. Die letzte Reform wurde im Frühjahr 2018 verabschiedet. Durch sie wird der Überschuss an Zertifikaten nach und nach abgebaut, indem jedes Jahr 24 Prozent der überschüssigen Zertifikate aus dem Markt genommen und in eine „Marktstabilisierungsreserve“ eingebracht werden. Darüber hinaus wird ab 2023 ein beträchtlicher Teil der Zertifikate dauerhaft aus der Reserve entfernt werden.

„Die Reserve wirkt ähnlich wie ein Staubsauger, der allmählich den Überschuss auf dem Markt aufsaugt und das ganze System so robuster gegenüber Bedarfsschwankungen macht“, erklärt Viddal.

„Die mit dieser Marktverknappung einhergehenden Erwartungen haben die Preise für die Zertifikate bereits erheblich in die Höhe getrieben. Der Preis hat sich seit letztem Jahr verdoppelt.“

Berry Burn wind farm
Hohe CO2-Preise machen die emissionsfreie und regenerative Stromerzeugung rentabler, während sich die Energiegewinnung, bei der Treibhausgase freigesetzt werden, weniger lohnt. Auf dem Bild ist der Windpark „Berry Burn“ in Schottland zu sehen. (Foto: Thomas Hogben)

Erneuerbare Energien sind rentabler

Höhere CO2-Preise könnten die Verbraucher auch dazu bewegen, den Verbrauch in den Zeiträumen mit der größten Umweltverschmutzung zu reduzieren, indem sie uns beispielsweise dazu anhalten, in den Zeiträumen mit niedrigeren Strompreisen und saubererem Strom Elektroautos aufzuladen oder Warmwasserspeicher zu beheizen.
Darüber hinaus wirkt sich der CO2-Preis auf langfristige Investitionen aus. Neue und bestehende Anlagen für emissionsfreie und regenerative Stromerzeugung werden rentabler, während sich die Energiegewinnung, bei der Treibhausgase freigesetzt werden, weniger lohnt.

„Es ist wichtig, dass die CO2-Preise dem entsprechen, was die Reduzierung der Emissionen tatsächlich kostet, um einen kosteneffizienten Übergang zu saubereren Energiesystemen in Europa zu fördern“, so Viddal.

„Da der CO2-Preis den Strompreis in den Zeiträumen mit der größten Umweltbelastung anhebt, fügt sich der Emissionshandelsmarkt gut in den Strommarkt ein. Die Tatsache, dass es einen einheitlichen CO2-Preis für alle Länder in Europa gibt, trägt dazu bei, die europäischen Strommärkte stärker miteinander zu verknüpfen. Andererseits werden andere nationale Klimamaßnahmen oftmals den Strommarkt, den Emissionshandelsmarkt und die europäische Vernetzung beeinträchtigen. Solange der Emissionshandelsmarkt bis 2030 eine Deckelung der Emissionen vorsieht, werden andere Maßnahmen in der Praxis die Emissionen nur in die Zukunft oder geographisch in ein anderes europäisches Land verlagern. Zum Beispiel wird die Subventionierung erneuerbarer Energien nicht zur Reduzierung der Emissionen beitragen, wenn nicht gleichzeitig eine entsprechende Menge an Zertifikaten ausgemustert oder in die Reserve verschoben wird. Das ist etwas, woran wir bei Statkraft arbeiten. Energie aus Solar- und Windkraft wird jetzt ohne Subventionen immer wettbewerbsfähiger. Mit einem korrekten CO2-Preis kann die erneuerbare Energie sowohl mit Strom aus neuen Anlagen als auch nach und nach mit bestehenden Kohle- und Gaskraftwerken konkurrieren.“

Globale CO2-Bepreisung

Ein Risiko beim EU-Emissionshandelssystem besteht darin, dass manche Unternehmen ihren Betrieb in ein Land ohne CO2-Bepreisung auslagern. Dies wird als „Carbon Leakage“ bezeichnet.

„Damit Carbon Leakage verhindert wird, gewährt die EU den Industriezweigen, die im internationalen Wettbewerb besonders unter Druck stehen, kostenlose Zertifikate. Mittlerweile arbeiten weitere Länder und Regionen außerhalb der EU an der Einführung von CO2-Preisen, wodurch dieses Problem verringert wird. Eine gute Nachricht ist zum Beispiel, dass auch China neben anderen Ländern ein nationales Emissionshandelssystem einführt, das sogar umfangreicher als das europäische sein wird. Das sind wirklich gute Nachrichten“, so Mari Grooss Viddal.

„Es bleibt zu hoffen, dass immer mehr Länder und Branchen die CO2-Bepreisung als Maßnahme einsetzen. Auf diese Weise wird die Verlagerung von CO2-Emissionen verhindert und weltweit ein Beitrag zu einem kosteneffizienteren Wandel hin zu einer emissionsärmeren Gesellschaft geleistet, sodass wir hoffentlich die Klimaziele erreichen können. Und letztendlich ist es doch das, worauf es ankommt.“

Fakten zum EU-Emissionshandelssystem

  • 2005 einigten sich die EU-Länder darauf, das weltweit erste und größte System für den Kauf und Verkauf von CO2-Zertifikaten einzuführen.
  • Mithilfe des Emissionshandelssystems (EHS) können die Mitgliedstaaten die Klimaziele auf effiziente und flexible Weise erreichen.
  • Ein CO2-Zertifikat verleiht das Recht, eine Tonne CO2 oder CO2-Äquivalente (andere Treibhausgase) freizusetzen.
  • Innerhalb der EU und des EWR müssen alle Energie- und Industrieunternehmen, die Treibhausgase freisetzen, Zertifikate entsprechend ihrer eigenen Emissionen erwerben. Diese Unternehmen werden als EHS-Sektor bezeichnet.
  • Die Zertifikate sind eine Handelsware, die auf dem Markt und bei Auktionen gekauft und verkauft werden kann. Beteiligten Unternehmen, die ihre eigenen Emissionen reduzieren, können ihre Zertifikate an andere Unternehmen verkaufen, die mehr Zertifikate benötigen. Außerdem haben Unternehmen Möglichkeiten, ihre Zertifikate für eine spätere Verwendung zu verwahren.
  • Im Industriebereich werden einige der Zertifikate kostenlos vergeben. Das System befindet sich derzeit in der dritten Phase (2013 - 2020), und die Politiker haben sich kürzlich auf die vierte und letzte Phase (2021 - 2030) geeinigt. In der vierten Phase ist die Emissionsobergrenze bis 2030 so festgelegt, dass 43 Prozent weniger Emissionen im Vergleich zu 2005 ausgestoßen werden sollen.

Das EU-Emissionshandelssystem umfasst:

  • 28 EU-Länder plus Island, Liechtenstein und Norwegen seit 2008 und seit 2019 nun auch die Schweiz.
  • 11.000 Unternehmen der Energieerzeugung und der Industrie, einschließlich des norwegischen Erdölsektors.
  • Fluggesellschaften, die Strecken zwischen EU-Mitgliedsstaaten, Island, Liechtenstein und Norwegen fliegen.
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