Jump to content Jump to navigation Jump to search
Windrad
Photo: Torbjörn Bergkvist

10.000 MW erneuerbare Energie: Europas größtes virtuelles Kraftwerk

Es lässt wechselnde Witterungsverhältnisse zu, besteht aus 1.400 unabhängigen Stromerzeugern und bietet eine Gesamtkapazität von mehr als 10.000 MW. Wovon wir sprechen? Von Europas größtem virtuellen Kraftwerk.

Image of Andreas Bader
Andreas Bader
Vice President

Andreas Bader ist Vice President des Bereichs "Vertrieb & Neue Produkte" bei Statkraft in Düsseldorf.

Sobald erneuerbare Energien in großem Stil für den Verkauf auf dem Strommarkt verfügbar sind, ergeben sich verschiedene Herausforderungen. Wechselndes Wetter verursacht starke Schwankungen in der Verfügbarkeit von Solar- und Windenergie. Deshalb wird die Einbindung in den Strommarkt problematisch, da nur mit einem kalkulierbaren Gut gehandelt werden kann, das zur Deckung der Nachfrage kontinuierlich in großem Umfang verfügbar ist.

Das Wetter, der Energiebedarf und somit auch die Preise ändern sich ständig und setzen den Erzeuger vielfältigen Risiken aus. Aber wie lassen sich diese Risiken in den Griff bekommen, besonders von kleinen Erzeugern?

Die Lösung ist ein virtuelles Kraftwerk. Aber wie funktioniert das genau?

Virtual power plant

Dezentralisierte erneuerbare Energie

Das virtuelle Kraftwerk von Statkraft in Deutschland ist ein gutes Beispiel. Onshore- und Offshore-Windenergie, Solarenergie, Bioenergie und Wasserkraft werden landesweit von einer Vielzahl von Produzenten erzeugt.

„Das virtuelle Kraftwerk verknüpft diese kleinen Stromerzeuger miteinander. Auf diese Weise können wir erneuerbaren Strom verkaufen und die volle Flexibilität der Anlagen für erneuerbare Energien nutzen, als ob es sich um einen zuverlässigen Großversorger handeln würde. Außerdem müssen die Stromerzeuger den Strom nicht selbst verkaufen und so auch nicht die Risiken eingehen, die mit angebots- und nachfragebedingten Schwankungen einhergehen.“, so Andreas Bader, Vice President für Vertrieb und neue Produkte im Statkraft-Geschäftsbereich für Märkte und IT.

„Da die erneuerbaren Energien stark wetterabhängig sind, ist es unerlässlich, genau über das Wetter informiert zu sein. Bekanntlich sind Wettervorhersagen oft falsch. Sogar nur fünf Minuten, bevor der Strom aus einem Windpark verkauft wird, lässt sich nicht genau sagen, wie viel dann produziert wird.“

„Dabei muss die erzeugte Strommenge möglichst genau vorhergesagt und gewinnbringend verkauft werden. Die kurzfristige Marktlage ist sehr unbeständig.“

Pioniere

Gemeinsam mit dem deutschen Partner Energy Meteo Systems begann Statkraft 2012 mit der Umsetzung des allerersten virtuellen Kraftwerks. Mittlerweile ist diese Innovation von anderen Marktteilnehmern übernommen worden, sodass es jetzt wahrscheinlich mehr als 50 virtuelle Kraftwerke gibt.

„Von Anfang an gab es eine starke technologische Entwicklung, sodass inzwischen immer mehr Erzeuger unsere Lösung in Betracht ziehen.“, erklärt Bader.

Heute umfasst das virtuelle Kraftwerk mehr als 1300 Windparks in seinem System, zusätzlich zu 100 Solarenergie-, Wasserkraft- und Bioenergieerzeugern. Die Gesamtkapazität des virtuellen Kraftwerks übersteigt 10.000 MW, was ungefähr der Leistung von zehn Kernreaktoren entspricht. Das ist mehr als doppelt so viel wie das größte deutsche Kraftwerk, das Kohlekraftwerk Neurath, produziert.

Wind turbine at farm
(Photo: Shutterstock)

Energieprognosen

Aufgrund der wechselnden Witterungsbedingungen war der Verkauf der meisten Arten von erneuerbarer Energie mit erheblichen Unsicherheitsfaktoren verbunden.

„Mehrere Vorhersagen von führenden Wetterdiensten werden kombiniert und mit einem statistischen Modell verknüpft, das wir bei Statkraft entwickelt haben. Außerdem gibt es spezielle Warnungen vor ungewöhnlichen Wetterphänomenen, wie etwa den Auswirkungen von Stürmen.“, erklärt Bader.

„Um das Wetter und die Strommärkte zu erforschen, verarbeitet und analysiert unsere digitale Plattform mehr als 50.000 relevante Datenpunkte pro Minute.“

Gewinnmaximierung

Das virtuelle Kraftwerk gehört zur digitalen Marktzugangsplattform von Statkraft, die über die Statkraft-Vertriebszentrale in Düsseldorf betrieben wird.

„Unsere Experten entwickeln intelligente Algorithmen, die automatisch die Produktion der Anlagen für erneuerbare Energien auf den Strommärkten verkaufen, um das Risiko für unsere Kunden zu minimieren und ihren Gewinn zu maximieren, indem sie die Flexibilität der Anlage ausnutzen. So sind mehr als 10.000 Transaktionen pro Tag möglich. Das virtuelle Kraftwerk versetzt uns dann in die Lage, jeden unabhängigen Stromerzeuger im Netz aus der Ferne zu steuern. Wenn es beispielsweise zu einem plötzlichen Marktpreissturz oder einer Netzbeschränkung kommt, können wir so die Produktionsleistung der Anlage senken.“, erklärt Bader.

„Dadurch kann die Anlage die Stromproduktion in virtueller Echtzeit ausgleichen. Die unabhängigen Stromversorger lassen ihre Produktion an die Nachfrage des Markts anpassen und begrenzen somit die nationale Überschussproduktion und negative Preise.“

Flexible Verbraucher

Geplant ist, dass das virtuelle Kraftwerk auch gewerbliche Verbraucher und dezentrale Speicherlösungen einbezieht. Auf diese Weise wird das virtuelle Kraftwerk Solar- und Windenergie mit dezentralen und flexiblen Klein- und Großverbrauchern zusammenführen und damit zu einer sauberen und grünen Zukunft beitragen.

Fakten zum virtuellen Kraftwerk

  • Das virtuelle Kraftwerk von Statkraft in Deutschland war das erste und ist das größte seiner Art in Europa.
  • Etwa 1300 Windparks, 100 Solarstromproduzenten, zwölf Biomassekraftwerke und acht Wasserkraftwerke.
  • Erzeugt insgesamt mehr als 10.000 MW. Das entspricht zehn Kernkraftwerken.
  • Statkraft führt derzeit Stromeinkaufsverträge (VPPs) in Großbritannien, Frankreich und der Türkei ein.

Share this article

Sprechen Sie uns an