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Ein präziser Zeitstempel für grünen Strom: die Zukunft der Herkunftsnachweise

20 Aug, 2021

Weltweit werden verschiedene Formen von Herkunftsnachweisen (Energy Attribute Certificates, EACs) verwendet, um nachzuweisen, dass Stromverbraucher erneuerbare Energie verwenden. Diese wollen zunehmend belegen, dass sie 24 Stunden am Tag 100 Prozent Grünstrom nutzen. Die aktuellen EACs reichen dafür nicht aus, doch eine Lösung ist bereits in Arbeit: ein neuartiger Zeitstempel für Zertifikate.

Max Andrews
Head of Nordic Environmental Products

Max Andrews ist Head of Nordic Environmental Products und leitet den Bereich Nordic Green Products bei Statkraft. Er ist Mitglied von EnergyTag und der Eurelectric 24/7 PPA Taskforce.

Klaas Bauermann
Head of Downstream Origination

Klaas Bauermann leitet den Bereich Downstream Origination in Deutschland. Er ist Statkrafts Experte im Bereich 100 Prozent Erneuerbare für Unternehmen und Energieversorger.

Energy Attribute Certificates haben in verschiedenen Regionen unterschiedliche Namen: Die am weitesten verbreiteten sind Herkunftsnachweise (HKN, auf Englisch: GoO) in der Europäischen Union, REC (Renewable Energy Certificate) in den USA und I-REC (International REC) in vielen anderen Teilen der Welt.

Alle EACs haben das gleiche Grundprinzip: Sie garantieren, dass 1 MWh des ins Netz eingespeisten Stroms in einem bestimmten Kraftwerk produziert wird. Diese Garantie wird in einem Register eingetragen. Sobald ein Elektron in das Netz eingespeist wird, kann es ohne EAC nicht mehr rückverfolgt werden. Durch den Kauf des EAC zusammen mit Strom können Energiekäufer nachweisen, dass sie Energie verbrauchen, die in einem erneuerbaren Kraftwerk erzeugt wurde: einem bestimmten norwegischen Wasserkraftwerk oder einem spanischen Solarpark. Das gültige EAC-System erlaubt derzeit den Abgleich von Erzeugung und Verbrauch auf monatlicher oder jährlicher Basis.

Die ambitionierten Ziele der Industrie treiben die Energiewende voran

„Das derzeitige System der EACs ist ein zuverlässiges und bewährtes Instrument für Unternehmen, um reduzierte Treibhausgasemissionen durch Energiebeschaffung auszuweisen – die Verwendung eines EAC ist derzeit die höchste Präzisionsstufe gemäß den Richtlinien des Green House Gas Scope II Protocols. Es gibt jedoch einige Kunden, die noch weiter gehen wollen“, erklärt Max Andrews, Head of Nordic Environmental Products bei Statkraft.

„Zur Förderung ihrer Dekarbonisierung suchen Unternehmen, die eine noch umfassendere Nachhaltigkeit als Ziel haben, nach Grünstromprodukten, über die sie rund um die Uhr grünen Strom beziehen können, anstatt monatlich oder jährlich.“

Ihre Anforderungen übersteigen das, was EACs heute leisten können: Unternehmen, die in globalen Initiativen wie z. B. RE100, einem Netzwerk einflussreicher Unternehmen, die sich zu 100 % erneuerbarem Strom verpflichten, organisiert sind, verfolgen das Ziel, stets und zu jeder Zeit 100 % erneuerbare Energie zu beziehen.

Beim Strom fehlt ein präziser Zeitstempel

Max Andrews setzt dies ins rechte Licht: „Durch EACs können wir zwar einen Standort für die Stromerzeugung festhalten, aber wir haben keinen genauen Zeitstempel. Das bedeutet, dass nach dem derzeitigen System 100 GWh erneuerbarer Strom, der im Januar produziert wurde, für den Jahresverbrauch eines Unternehmens verwendet werden kann.“

Fluktuierende erneuerbare Quellen wie Sonne und Wind können nur einen Teil des Bedarfsprofils eines Verbrauchers auf Stundenbasis abdecken. Der Verbraucher muss den Rest des Stroms auf dem Spotmarkt kaufen, wo er möglicherweise aus fossilen Brennstoffen stammt. Mit diesem fossilen Anteil kann ein 100-prozentiger grüner Energiemix nicht rund um die Uhr erreicht werden. Mit dem derzeitigen System ist es nur bilanziell möglich, diesen Strom "auszugleichen".

Andrews ist Mitglied bei EnergyTag, einer unabhängigen, globalen, gemeinnützigen, industriegeführten Initiative, die versucht, diese Diskrepanz durch die Definition und den Aufbau eines Marktes für stündliche Stromzertifikate zu lösen. Namhafte Unternehmen wie Accenture, Microsoft, Google, Iberdrola, I-REC Standard, WindEurope und viele andere betonen den Bedarf, erneuerbare Energien dann zu produzieren, wenn sie auch tatsächlich verbraucht werden: Sie wollen innovative Energiezertifikate entwickeln und verfügbar machen, indem sie eine neue Dimension hinzufügen – die Zeit.

Fakten zur EnergyTag-Initiative

  • EnergyTag ist eine von der Industrie geführte, unabhängige, gemeinnützige Initiative, die einen Industriestandard für die Ausstellung von stündlichen Energiezertifikaten entwickeln möchte. Diese ermöglichen es den Verbrauchern, ihre Kohlenstoffemissionen in Echtzeit zu ermitteln.
  • Ziel der Initiative ist es, die Energiewende durch eine 24/7-Rückverfolgbarkeit der Energie zu beschleunigen.
  • Die Mitglieder der Initiative arbeiten gemeinsam daran, eine Reihe von Richtlinien zu definieren, um die Grundlage für einen Markt für Energiezertifikate mit einem Zeitstempel von einer Stunde oder kürzer zu bilden. Parallel dazu wird die Initiative die ersten freiwilligen Märkte für die Zertifikate anregen.
  • Ein erster Entwurf der Richtlinien wurde im Mai 2021 in einem Whitepaper veröffentlicht.

Zurück in die Zukunft

In einigen Ländern ist die Zukunft bereits angekommen: Statkraft konnte bereits Pilotprojekte mit stündlichen und viertelstündliche Energiezertifikaten in Deutschland und Norwegen anstoßen und durchführen.

Max Andrews nennt zwei Beispiele zur Veranschaulichung der Entwicklung von Stundennachweisen: „In Deutschland beliefert Statkraft Mercedes Benz im industriellen Maßstab rund um die Uhr mit 100 Prozent Grünstrom durch den sogenannten 24/7 PPA.“ Dort bescheinigt der TÜV die Übereinstimmung von Produktion und Verbrauch sogar im Viertelstundentakt. Wenn intermittierende erneuerbare Energiequellen wie Sonne und Wind den Bedarf nicht decken können (z. B. an einem wolkigen, windstillen Tag), springt die flexible erneuerbare Wasserkraft ein und macht 100 Prozent erneuerbare Energie rund um die Uhr möglich.

Dr. Klaas Bauermann, Leiter der Downstream-Origination-Abteilung in Deutschland, entwickelte mit seinem Team das 24/7-PPA-Konzept für Daimler. Wie Andrews begrüßt er die Entwicklung hin zu präziseren Herkunftsnachweisen: „Aktuell stehen Stundenzertifikate in Deutschland noch nicht zur Verfügung. Mit zunehmender Expertise und präziseren und ambitionierteren Nachhaltigkeitszielen in der Industrie wächst aber auch in Deutschland die Nachfrage. Wir konnten gemeinsam mit Mercedes Benz und dem TÜV einen sicheren und zertifizierten Weg finden, die Ziele von EnergyTag mit bereits zur Verfügung stehenden Mitteln zu erreichen.“

Für Andrews ist die TÜV-Zertifizierung ein wichtiger Zwischenschritt auf dem Weg zu mehr Granularität: „Wir konnten sehr viel daraus lernen. In Norwegen gehen wir jetzt noch einen Schritt weiter: In einem Pilotprojekt mit dem Stromversorger Tibber müssen wir gar keinen externen Zertifizierer mehr einsetzen – wir können die Stundenzertifikate direkt über das bestehende GoO-Register ausstellen.“

Diese Beispiele zeigen, dass das Energienetz zur Erreichung der RE100-Ziele sowohl mehr fluktuierende Erzeugung aus Sonne und Wind als auch eine flexible Wasserkraft für lang- und Batterien für kurzfristige Flexibilität benötigt – für Situationen, in denen Wind und Sonne zu bestimmten Zeiten an einem Tag nicht verfügbar sind.

Durch die Entwicklung von stündlichen Zertifikaten wird die Dekarbonisierung des Netzes unterstützt, da neue Anlagen entwickelt werden müssen, um der angestiegenen Nachfrage zu entsprechen. Andrews betont: „Nur durch Echtzeitmessungen und stündliche Zertifikate können wir diesen Bedarf sichtbar machen und genügend Druck auf den Markt ausüben, um die Entwicklung zusätzlicher Kapazitäten voranzutreiben.“

Mehr Transparenz und ein Booster für die Energiewende

Energiezertifikate mit stündlichen Zeitstempeln ermöglichen es den Verbrauchern nachzuvollziehen, woher ihre Energie kommt und wie hoch ihre Kohlenstoffemissionen zu einem bestimmten Zeitpunkt sind.

Mit dem zunehmenden Bedürfnis innerhalb der Industrie und auf Endverbraucherseite, sich nachhaltig zu vergrünen, ist diese Entwicklung nicht aufzuhalten. Der nächste Schritt in die Zukunft ist für Klaas Bauermann eine Belieferung von und Kooperation mit Stadtwerken und Energieversorgern: „Alle, die zielgenauer CO2 reduzieren wollen, profitieren von 100 Prozent Grünstrom rund um die Uhr. Stadtwerke, zu deren Kunden sowohl Privathaushalte als auch Gewebe und Industriebetriebe zählen, können mit einem 24/7-PPA einen Endkundentarif auflegen, der rund um die Uhr und zu 100 Prozent grün ist – glaubwürdig und sicher.“

Max Andrews ist zuversichtlich über die gesteigerte Transparenz und den Schub, der damit der Energiewende gegeben wird: „Die so gewonnenen Erkenntnisse werden es uns ermöglichen, mehr erneuerbare Energien in das Netz einzubinden. Die Verknüpfung von Erzeugung und Verbrauch in Echtzeit schafft Vertrauen und gibt Anreize für Energiespeicherung und Flexibilität. Diese sind von unschätzbarem Wert, um die Energiewende voranzubringen.“

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Klaas Bauermann
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