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Windenergie im Wald: Sind Windkraftanlagen in Waldgebieten wirklich sinnvoll?

Deutschlands Windparks sind ein wichtiger Bestandteil der Energiewende. Die Bundesregierung hat beschlossen, jedes Jahr 10 Gigawatt Windkraft an Land zuzubauen. Bis 2030 sollen rund 115 Gigawatt aus Windkraft bereitstehen. Dieser Ausbau ist nicht allein im dicht besiedelten Offenland möglich. Daher entstehen Windparks auch in Waldregionen – warum ist das sinnvoll?

Wind im Wald einfach erklärt:

 

  • Bei „Wind im Wald“ werden Windkraftanlagen auf forstwirtschaftlich genutzten Flächen errichtet.
  • Diese können doppelt zum Klimaschutz beitragen: Sie erzeugen CO₂-freien Strom und unterstützen den Umbau hin zu klimaresilienten Mischwäldern.
  • Windkraft im Wald ist notwendig, um die Ausbauziele der Energiewende in Deutschland zu erreichen, da Flächen im Offenland begrenzt sind
  • Anlagen entstehen gezielt auf wirtschaftlich genutzten oder vorgeschädigten Forstflächen.
  • Der Eingriff bleibt begrenzt: Pro Anlage werden rund 0,5 Hektar dauerhaft genutzt; Ausgleichsmaßnahmen wie Aufforstung sind verpflichtend.
  • Kommunen und Waldeigentümer profitieren finanziell und können Einnahmen in Naturschutz, Infrastruktur und lokale Projekte investieren.

Was ist Wind im Wald?

Unter Wind im Wald versteht man die Errichtung einer oder mehrerer Windkraftanlagen auf forstwirtschaftlich genutzten Flächen. Dabei gelten strenge Naturschutzkriterien und es ist entscheidend, dass Waldgebiete mit hoher ökologischer Wertigkeit, wie artenreiche Laub- oder Mischwälder, für solche Projekte nicht in Betracht gezogen werden.

An welchen Standorten werden Windkraftanlagen im Wald errichtet?  

Potenzielle Standorte für Windkraftanlagen liegen in jungen Wirtschaftswäldern, das sind Forste, die in der Regel aus Monokulturen bestehen. Auch die Höhenlagen in Wäldern eignen sich für die Windkrafterzeugung, da die Windverhältnisse hier oft sehr gut sind und der Abstand zur Wohnbebauung sehr groß.

Insbesondere können sogenannte Kalamitätsflächen genutzt werden, wie beispielsweise bei unserem Projekt in Erndtebrück. Auf solchen Flächen ist der Baumbestand bereits beschädigt worden, etwa durch Klimawandel, Trockenheit, Borkenkäferbefall oder er hat Sturmschäden erlitten.

Die aktuelle Waldzustandserhebung zeigt, dass in deutschen Wäldern durchschnittlich vier von fünf Bäumen gesundheitlich angegriffen sind. Besonders betroffen sind Fichten und Kiefern, die deutlich weniger widerstandsfähig sind als andere Baumarten.

Solche vorgeschädigten Standorte werden bevorzugt für Windparks in Betracht gezogen.

 

Unterschied zwischen Forst und Wald 

Ein Forst ist ein vom Menschen angelegter und bewirtschafteter Wald, der in der Regel aus gleichaltrigen Bäumen derselben oder wenigen Baumarten besteht. Ziel ist meist die Holzproduktion oder andere wirtschaftliche Zwecke. Dafür werden Baumarten verwendet, die von der Holzindustrie nachgefragt werden. Die Bewirtschaftung umfasst geplante Aufforstungen, Pflegearbeiten sowie die Holzernte.

Ein Wald ist ein natürlicher oder naturnaher Lebensraum, in dem Bäume, Sträucher, Tiere und Pilze ein eigenes Ökosystem bilden. Er entsteht und entwickelt sich ohne gezielte menschliche Steuerung, jedoch können Menschen ihn beeinflussen.

Dementsprechend kann man sagen: Jeder Forst ist ein Wald, aber nicht jeder Wald ist ein Forst. Windparks werden wie bereits erwähnt vorwiegend in Forsten angelegt.

 

Flächenverbrauch für Wind im Wald

Für den Bau von Windrädern im Wald müssen Bäume gefällt werden. Wenn bestehende Forstwege für den Bau und die Bewirtschaftung genutzt werden, fällt der Eingriff in den Wald aber schonend aus. Für den Bau einer Windenergieanlage müssen auf circa 0,8 bis 1,0 Hektar Fläche Bäume gerodet werden. Ein Teil davon kann direkt im Anschluss an den Bau aber wieder aufgeforstet werden. Übrig bleibt eine Fläche von 0,51 Hektar für einen Zufahrtsweg und Teile des Fundaments, die für die Dauer der Betriebszeit der Windkraftanlage nicht wieder aufgeforstet werden kann.

Diese 0,51 Hektar bleiben während des Betriebszeitraums zwar frei von Baumwuchs, jedoch ist der Anlagenbetreiber verpflichtet, den Eingriff auszugleichen – zum Beispiel mit einer Aufforstung an anderer Stelle und mit widerstandsfähigen Pflanzenarten, die den veränderten Bedingungen des Klimawandels besser standhalten können. Perspektivisch kann es dadurch sogar zu einem Zuwachs der Waldfläche kommen.

 

Grafische Darstellung des Flächenverbrauchs für Windenergie im Wald

Wie viel Fläche wurde bisher für Windräder im Wald gerodet?

Aus den Daten des BWE (Stand 2024) geht hervor, dass derzeit 2.533 Windenergieanlagen in deutschen Forsten betrieben werden. Bei einer durchschnittlichen Waldumwandlungsfläche von 0,51 Hektar, kommen wir also auf eine Waldfläche von 1.292 Hektar, die bisher für Windenergie genutzt wird.

Im Vergleich: Im Zuge der Braunkohleförderung musste eine Fläche dieser Größe in der Vergangenheit circa alle 22 Monate abgebaggert werden.

Um die 1.292 Hektar außerdem in Relation zu setzen: Die gesamte Waldfläche in Deutschland beträgt 11,5 Millionen Hektar. Die für Windenergie genutzte Waldfläche beträgt also nur circa 0,01 Prozent davon.

 

Welche Vorteile bringt ein Windpark im Wald?

Deutschland wird in Zukunft an Land und auch zu Wasser weiter in erneuerbare Energien investieren. Warum aber sind Windparks im Wald von Vorteil?

  • Windparks im Wald treiben die Energiewende voran.
    Damit die Energiewende erfolgreich verläuft, benötigen wir in Deutschland noch weiteren Zubau erneuerbarer Anlagen. Windparks im Wald erschließen zusätzliche Flächen und ermöglichen den notwendigen Ausbau.
  • Bestehende Wirtschaftsflächen können genutzt werden.
    Projekte entstehen vor allem in Wirtschaftswäldern oder auf vorgeschädigten Flächen, nicht in ökologisch wertvollen Naturwäldern oder Schutzgebieten.
  • Klima- und Naturschutz werden im Projekt mitgedacht.
    Windenergieanlagen liefern CO₂‑freien Strom; die verpflichtenden Schutzmaßnahmen gleichen den Eingriff in den Wald wieder aus, etwa durch Aufforstung oder Waldumbau.
  • Windparks im Wald können den Wald langfristig stärken.
    Windenergie kann einen Beitrag leisten für den Umbau hin zu klimaresilienten Mischwäldern und höherer Anpassungsfähigkeit an den Klimawandel.
  • Einnahmen schaffen Mehrwert für Kommunen und Regionen.
    Kommunen und Eigentümer profitieren finanziell, zum Beispiel über Pachteinnahmen oder die Kommunalabgabe nach §6 EEG 2023. Die Mittel können in lokale Projekte, Infrastruktur und Naturschutzmaßnahmen fließen und diese langfristig stärken.